bottrop.sport

Tor 23: Leidenskraft und Leidenschaft

bottrop.sport öffnet Tore: Die Spitzensportler unserer Stadt

In seiner Sitzung am 24. November machte der Rat der Stadt Bottrop den Weg frei für ein Förderkonzept für den Spitzensport. Mit Hilfe von Sponsorengeldern sollen Talente aus Bottroper Vereinen gezielt unterstützt werden. Wer aber sind Bottrops Spitzensportler und welche aufstrebenden Talente gibt es in dieser Stadt? In unserem Adventskalender wollen wir bis Heiligabend täglich einen Bottroper Leistungssportler vorstellen. Robert Decke gehört zu einem Kreis von Leichtathleten, die einst beim DJK Adler 07 ihre ersten Bestleistungen aufstellten, ihre Karriere als Leistungssportler dann aber beim TV Gladbeck forcierten. Aktuell arbeitet der 22-Jährige an der Norm für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven über 110 Meter Hürden.

Robin Erewa (mitte, 1159) trainierte einst im Jahnstadion. Foto: Ailura

Die Leichtathletik hat in Bottrop eine lange Tradition. Der bekannteste Name der jüngeren Vergangenheit ist sicherlich Alexander Lubina, der 2002 an den Europameisterschaften über 10.000 Meter teilnahm und 2008 deutscher Meister im Orientierungslauf wurde. Der LC Adler Bottrop ist heute ein absolutes Aushängeschild der Stadt und dank einer tollen Entwicklung in den vergangenen Jahren hat auch der Leistungssport im Jahnstadion wieder eine Heimat gefunden. Mit Dustin Büchel, Marius Lewald, Bastian Nitz, Hanna Lüger und Lena Metzler wurden jüngst fünf Athleten zu Kadermaßnahmen am Landesstützpunkt eingeladen.

Doch das war nicht immer so, denn in der Vergangenheit zog es die talentiertesten Sportler regelmäßig in die Nachbarstädte. „Damals war die Trainersituation einfach zu dünn“, erinnert sich Dirk Lewald. Das prominenteste Beispiel aus Bottroper Sicht ist sicherlich Sprinter Robin Erewa. Der gebürtige Oberhausener gibt in seinem DLV-Portrait noch immer die heutige Adler-Vorsitzende Ingrid Henning als erste Trainerin an. Der WM-Teilnehmer von 2015 sowie mehrfache Deutsche Meister über 200 Meter trainierte einst im Jahnstadion, ehe es für ihn in die Talentschmiede des TV Wattenscheid ging. Mittlerweile ist der 24-Jährige in der nationalen Spitze über 200 Meter angekommen. Viele andere junge und ambitionierte Talente zog es dagegen zum TV Gladbeck, wo die Bottroper Nachwuchssportler regelmäßig für Schlagzeilen sorgten. Robin und Timo Richterich, Bartosz Jasinski, Alexander Swade und Jonathan Pens: Sie alle trugen einst das rote Adler-Leibchen.

Auch Robert Decke startete seine Karriere im Adler-Dress

Robert Decke (l.) hat sich auf die 110 Meter Hürden spezialisiert. Foto: TV Gladbeck

Gleiches gilt auch für Robert Decke. Der 22-Jährige ist noch immer beim TV Gladbeck aktiv und dem Leistungssport auch nach dem Abitur am Josef-Albers-Gymnasium treu geblieben. Er wechselte schon 2009 von Bottrop in die Nachbarstadt. „Ich musste mich damals entscheiden, ob ich die Leichtathletik weiterhin nur als Breitensport betreiben möchte, oder doch lieber auf der Leistungsebene. Da mir das Training in Bottrop damals aber keine Leistungssteigerung und keine Weiterentwicklung mehr ermöglichte, habe ich mich schließlich für einen Wechsel entschieden“, erinnert sich Decke, der sich auf die 110 Meter Hürden spezialisiert hat.

In Wetzler sprintete Robert Decke (2.v.l.) zu einer neuen Bestzeit. Foto: TV Gladbeck

Nach einem Meniskusriss im Spätsommer 2013 ist der Hürdensprinter aktuell auf dem besten Weg zurück zu seiner Topform. In der Sommersaison 2015 war Robert Decke nach einer fast einjährigen Wettkampfpause auf die Tartanbahn zurückgekehrt, doch die Umstellung auf die Hürdenhöhe (1,067m) in der U23-Klasse benötigte einige Zeit. „Da fehlte mir einfach die Routine“, so Decke, der lange um den angepeilten Start bei den Deutschen Meisterschaften der U23 bangen musste. Die erforderliche Norm von 15,60 sec erschien unerreichbar, doch die Bezirksmeisterschaften in Wattenscheid brachten die Wende. Mit einer Zeit von 15,36 sec sprang Decke noch auf den letzten Drücker auf den Zug zu den Deutschen Meisterschaften der U23 auf. Die erfolgreiche Qualifikation setze offenbar ungeahnte Kräfte frei. In Wetzler stellte Decke bei idealen Bedingungen bereits im Vorlauf eine neue persönliche Bestzeit (15,09 sec) auf und unterbot im Anschluss sogar erstmals die 15-Sekunden-Marke (14,96 sec). Platz sieben in der Endabrechnung, 6/100 fehlten zu Platz vier. „Da habe ich gezeigt, dass ich ein Wettkampftyp bin und mich bei Deutschen Meisterschaften immer wieder pushen kann“, so Decke.

Neue Ziele nach dem Wechsel der Altersklasse

Nach dem Verlassen der Altersklasse U23 und dem damit verbundenen Wechsel von den Junioren zu den Aktiven peilt Robert Decke für die Saison 2016 neue Ziele an. „Ich möchte die Normen für die deutschen Meisterschaften erfüllen“, erklärt Decke. Ende Februar in Leipzig und im Juni in Kassel möchte der Bottroper bei den nationalen Meisterschaften an den Start gehen. Voraussetzung dafür wäre eine neue Bestzeit, denn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) fordert von den Hürdensprintern eine Zeit von 14,55 Sekunden. Eine Zeit, die sich Robert Decke durchaus zutraut. „Ich denke ich bin eher ein Spätentwickler. Von der Sprintleistung her sollte eine Zeit von 13,90 sec möglich sein, dafür muss ich aber noch weiter an meiner Technik arbeiten und schneller über die Hürden kommen. Aber ich habe in der Vergangenheit gezeigt, dass ich immer noch mal was draufpacken kann. Irgendwann noch mal eine Zeit unter 14 sec zu Laufen und damit vielleicht ein Finale bei den Deutschen Meisterschaften zu erreichen, bleibt weiterhin mein Ziel für die Zukunft.“

Um diesem Traum näher zu kommen, bewältigt der Student an der Uni Düsseldorf (Studiengang: Medizinische Physik) ein straffes Trainingsprogramm. „Es ist zum Teil echt schwer Uni und Training unter einen Hut zu bekommen, zumal das alles auch mit viel Fahrerei verbunden ist“, erklärt Decke, der sich aktuell in den Vorbereitungen auf die Hallensaison befindet. Vor allem die Schnelligkeit steht im Fokus. Dazu gehören zwei wöchentliche Krafteinheiten im Sportpark Stadtwald, eine Einheit am Olympiastützpunkt in Wattenscheid in der dortigen Leichtathletikhalle sowie jeweils ein Trainingstag in Gladbeck und in der Düsseldorfer Leichtathletikhalle. Mindestens fünf intensive Trainingseinheiten stehen pro Woche auf dem Programm, die bis Anfang Dezember sogar noch durch zusätzliche Bergläufe ergänzt wurden.

Rund 20 Stunden investiert Robert Decke Woche für Woche neben dem Studium für seinen Sport. 20 Stunden, um 110 Meter über zehn Hürden zumindest einmal innerhalb von nur 14 Sekunden zu bewältigen. Robert Decke ist der beste Beweis dafür, dass zum Spitzensport vor allem zwei Dinge dazugehören: Leidenskraft und Leidenschaft!

Text: Henning Wiegert

Kommentare (0)

Bitte addieren Sie 9 und 8.