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Remis mit toller Dramaturgie

Piraten erkämpfen sich ein 7:7 gegen Hertha Walheim

Nach einem Sieg und einer Niederlage an den ersten beiden Kampftagen trennten sich die Männer des JC 66 Bottrop am dritten Kampftag in der Bundesliga Nord mit einem leistungsgerechten 7:7 vom TSV Hertha Walhiem.

Durchatmen hieß es am Ende auf beiden Seiten der Tatami, nachdem der Männerkampf am Doppelkampftag soeben hochdramatisch beendet wurde. Einen Punkt gewonnen oder einen verloren, da waren sich direkt nach dem entscheidenden Duell weder das Walheimer Trainergespann um Patrick Hass und Frank Heynen, noch die Bottroper Teamleitung um Markus Wallerich und Jan Tefett einig. Nach einem kurzen Verschnaufen und einem freundschaftlichen Gespräch zwischen beiden Trainerlagern waren sich beide einig. So muss ein Judokampf auf Augenhöhe laufen und mit der Leistung beider Teams kann man dann auch gut mit einem Unentschieden leben. Aber der Reihe nach, denn dieser Kampftag bot reichlich Dramaturgie.

Bereits auf der Waage wurde klar, dass es an diesem Tag in vielen Duellen sehr eng werden würde und keine der beiden Mannschaften mit einem klaren Sieg rechnen konnte. Dafür waren auf Bottroper Seiten die Defizite der geplanten Topkämpfer zu groß. So mussten drei Tage vor dem Kampftag die beiden niederländischen Asse Tornike Tsakadoea (-60kg) und Bas van Empelen (-90kg) kurzfristig verletzungsbedingt absagen. Auch der Einsatz vom Deutschen Meister aus Bottrop, Hamsat Isaev (-73kg), kam an diesem Tag zu früh, seine Ellbogenverletzung war noch nicht auskuriert und der Bundestrainer hatte dementsprechend als Vorsichtsmaßnahme ein Wettkampfverbot ausgesprochen. Die Walheimer hatten mit drei Ausländern im Superleicht- & Superschwergewicht augenscheinlich vier sichere Punkte mit nach Bottrop gebracht.

Los ging es mit einer Premiere für die Piraten. Im ersten Kampf siegte der erst 20-jährige Niederländer Jelle Snippe (-100 kg), zum ersten Mal überhaupt für die Bottroper auf der Matte, gegen den erfahrenen Lars Entgens sicher nach rund zwei Minuten. Allerdings folgten drei relative klare Niederlagen der Bottroper durch Sebastian Wendt (+100 kg), Egzon Lekaj (-90 kg) und Jan Tefett (-66 kg). Somit lagen die Bottroper früh mit 1:3 im Hintertreffen. „Bei Egzon und mir wäre im ersten Kampf mehr drin gewesen“, gab Teamcaptain Jan Tefett seine Einschätzung zur ersten Runde. Wie bereits gegen Spremberg und Hamburg machte Christian Dill (-73 kg) dann aber einen super Job als „Isaev-Vertreter“ und konnte überzeugend gegen Erich Klingspon auf 2:3 verkürzen. Der zweite Niederländer auf Bottroper Seite, Kevin Bakker (-81 kg), stellte im Anschluss auf 3:3 gegen den unangenehmen Nikola Discher. Der letzte Kampf des ersten Durchgangs ging dann wieder relativ ungefährdet an die Gäste. Kalala Ngoy, in dieser Saison das erste Mal im Superleichtgewicht im Einsatz, fand gegen den starken Niederländer Bart Welling kein Mittel. So stand es schon wie gegen Hamburg nach Runde eins 3:4 gegen die Piraten. Es war nun an Wallerich und Tefett, in der zweiten Runde mit einem guten Matchplan zurück auf die Tatami zu kommen.

Dies gelang im Vergleich zum Kampftag in Hamburg mit einer risikoreichen Aufstellung diesmal auch. Den Augleich zum 4:4 stellte Snippe wiederum souverän gegen Entgens ein. Den nächsten Kampf musste Hans-David Claren, aufgerückt +100 kg, knapp abgeben, gegen den rund 30 Kilogramm schwereren Mbakom. Es stand jetzt zwar 4:5 für die Walheimer, diesen merkte man aber das erste Mal Verunsicherung an. Anschließend konnte Kevin Bakker nämlich taktisch diszipliniert und hart kämpfend eine Gewichtsklasse höher (-90 kg) im Golden Score gegen Westerkamp punkten, der im ersten Durchgang den Bottroper Lekaj sicher besiegen konnte - 5:5! Und jetzt sollte der Schlüsselkampf folgen bei dem sich Tefett und Wallerich in der Pause sicher waren, dass dieser die Entscheidung für einen Sieg für Bottrop oder ein Unentschieden bringen würde. Und es war an Tefett selbst, als Captain und Manager, das erste Mal in dieser Saison selber als Kämpfer auf der Matte, den ersten Durchgang gegen den starken Felix Stöckel vergessen zu machen. An Spannung war der Kampf dann auch nicht zu überbieten. Bis Tief ins Golden Score waren beide Kämpfer stets nah an einer Wertung dran, Strafen hatten beide jeweils nur eine gesammelt. Die Entscheidung fiel dann nach mehr als 6 Minuten zu Gunsten von Stöckel, als beide Athleten nahe der Erschöpfung waren. 5:6 für Walheim, doch es sollte noch nicht genug an Spannung sein. Christian Dill zeigte abermals eine konzentrierte Vorstellung und besiegte kurz vor Schluss der Kampfzeit den unangenehmen Rupert Hammen (-73 kg), woraufhin Youngster Oleg Gusev (-81 kg) kurzen Prozess mit Angelo Krikke machte und auf 7:6 für Bottrop stellte. Unter dem Jubel der Fans sollte die Entscheidung dann im Superleichtgewicht fallen und hier musste der noch sehr junge Simon Obertreis gegen den erfahrenen Bart Welling ran, der in dieser Saison noch ungeschlagen in der Liga ist. Obertreis zeigte einen beherzten Kampf und konnte sogar mit einem halben Punkt in Führung gehen. Die Sensation war zum Greifen nah, doch mit Hälfte der Kampfzeit spielte Welling seine Erfahrung aus und warf den jungen Bottroper für einen vollen Punkt. 7:7, das Spektakel war ohne Sieger oder Verlierer beendet.

„Die gezeigte Leistung der Kämpfer, die von der gesamten Ersatzbank kommende Stimmung und die Unterstützung der Fans waren wieder einmalig gut. Alle Jungs sollten stolz auf sich selber sein und auch stolz darauf, für so einen Verein und in einer solchen Atmosphäre kämpfen zu dürfen“, zeigt sich Captain Tefett trotz seiner persönlichen sehr knappen Niederlage in Durchgang zwei beeindruckt und am Ende doch zufrieden mit der Punkteteilung. „Respekt auch an die Walheimer, die um jeden Zentimeter Tatami gekämpft haben und auch eine super faire Stimmung in der Halle gemacht haben, so macht Judo Spaß und das war ganz klar Werbung für unseren Sport.“

Mit dem ersten Unentschieden dieser Saison liegen die Piraten auf einem guten fünften Platz, mit insgesamt drei Punkten auf der Habenseite. Am 11. Mai folgt das nächste NRW-Derby in Witten, wenige Wochen später dann der letzte Kampf vor der Sommerpause in Leverkusen, welchen die Bottroper unbedingt für sich entscheiden wollen. „Ob wir Witten in zwei Wochen ärgern können, wird an dem Personal liegen, das am Kampftag beiden Mannschaften zur Verfügung steht“, glaubt Coach Wallerich an eine mögliche Punktchance auch gegen den derzeitigen Tabellenführer.

Text: JC 66 Bottrop

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