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Stimmen: "Nehmen ein gutes Gefühl mit"

Stolz und Enttäuschung nach der verpassten Medaillie

Mehr erhofft hatten sich die Judoka des JC 66 Bottrop bei der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach der Niederlage gegen die TSG Backnang blieb am Ende wieder einmal nur der fünfte Platz. Dennoch zeigten sich Verantwortliche und Aktive nach dem Kampf zufrieden mit der eigenen Leistung und Größe in der Niederlage.

Trainer Christoph Paris (l.). Foto: C. Dziwok

Christoph Paris (Trainer): "Wir haben uns im Vorfeld schon Chancen ausgerechnet. Der letzte Zeitungsbericht der Backnanger sagte, dass sie nicht mit der Topbesetzung auflaufen würden. Allerdings hat man gesehen, dass die Mannschaft trotzdem stark war. Das Ergebnis ist letztlich aber etwas deutlicher, als es die einzelnen Kämpfe waren. Die Mädels haben stark angefangen, waren gut vorbereitet und haben versucht das umzusetzen. Gerade in der ersten Kampfminute ist das auch gelungen. Es hat aber einmal von der physischen Seite nicht ganz gereicht, sodass Backnang sehr dominant war. Andererseits haben wir die taktische Marschroute auch nicht immer bis zum Ende durchhalten können. In Kämpfen wie denen von Sina Felske, die mit Romy Tarangul im zweiten Duell auf Augenhöhe war, entscheidet dann aber auch das Quäntchen Glück oder das bisschen mehr Kraft und Ausdauer. Etwas überrascht waren wir von der Nominierung im Schwergewicht, da hatten wir mit Punkten durch Tessie Savelkouls gerechnet. Iryna Kindzerska war aber einfach zu stark und deshalb haben wir Guusje im zweiten Durchgang auch nicht kämpfen lassen. Das wäre zu gefährlich gewesen. Bei Saskia Wüst, Sina Felske und Julia Rotthoff war durchaus was drin. Die Mädels haben sich wirklich gut vorbereitet, aber dann hatten sie doch ein wenig zu viel Respekt. Auch wenn wir ihnen vorher nochmals gesagt haben, dass sie sich die Endrunde verdient haben, würdige Vertreter sind und auf das Podest schielen können, ist es noch einmal was anderes, wenn man dann hier steht und die Nationalhymne erklingt. Da kann es durchaus zu einer Blockade kommen. Ich bin aber zufrieden, mal die komplette Mannschaft hier gehabt zu haben. Eine ganz große Sache waren für mich aber die 80 Fans. Es war mir eine Herzensangelegenheit nochmal ein Foto zu machen, um zu zeigen, dass der ganze Verein dahinter steht. 

Unter dem Strich, vor allem mit Blick auf den schwachen Saisonstart, sind wir mit dem fünften Platz zufrieden. Nach den Rückmeldungen, dass alle dabei sind, lagen hier gute Chancen, aber wir konnte unser Potenzial nicht ganz abrufen. Ich bin da realistisch, für die Mädels ist es vielleicht eine noch größere Enttäuschung. Wolfang Amoussou hat in der Pause, als eigentlich schon klar war, dass es nicht mehr machbar ist, noch einmal gesagt, dass die Mädels ihre Leistung verbessern können. Damit hat er sie erreicht und der zweite Durchgang war das, was wir leisten und geben konnten."

Guido Materzok (Teammanager): „Leider hatten wir das Pech, direkt gegen eine der stärksten Mannschaften antreten zu müssen. Wir hätten sicherlich eine Chance gehabt, wenn bei uns alles super gelaufen wäre und wir noch etwas mehr Glück auf unserer Seite gehabt hätten, aber in einigen Gewichtsklassen war Backnang schon ziemlich dominant. Dennoch brauchen wir hier nicht mit einem Buckel rausgehen. Wir verlassen die Halle erhobenen Hauptes und nehmen ein gutes Gefühl mit für die nächste Saison. Wir haben hier eine gute Leistung abgeliefert. Das waren spannende Kämpfe und eine wirklich super Stimmung auf den Rängen.“

"Es waren Nuancen, die den Unterschied gemacht haben."

Julia Rotthoff hätte gerne auch den zweiten Kampf absolviert. Foto: C. Dziwok

Julia Rotthoff (Kapitänin): "Es ist klar, dass wir jetzt ein bisschen traurig sind. Vor allem, weil ich meinen zweiten Kampf nicht kämpfen durfte. Es ist immer undankbar, kampflos zu gewinnen. Gerade weil ich im ersten Kampf sehr nervös war und auch wenn es die deutsche Meisterin war, habe ich sie schon einige Male geschlagen und hätte gerne das zweite Duell gekämpft. Unter dem Strich waren es Nuancen, die den Unterschied gemacht haben. Das Ergebnis klingt mit 5:9 deutlicher als es war. Aber Backnang war vielleicht physisch etwas stärker und uns ist hinten raus dann etwas die Kraft ausgegangen. Auf beiden Seiten waren Weltklasseathleten mit dabei, aber an diesen Positionen haben wir die Punkte ja auch geholt. Die Stimmung war gut, wir waren mit dem besten Team hier, mit dem wir jemals zur Endrunde gefahren sind und deshalb müssen wir uns auch nicht so sehr ärgern. Klar hätten ein paar Kämpfe anders ausgehen können und es war auch anders erhofft und geplant, aber wie Judo halt so ist, ist es anders gelaufen. Das Feeling und der Rückhalt der Fans heute war Wahnsinn. Es war vor, während und nach dem Kampf einfach nur geil. Deshalb haben wir uns auch noch einmal bei allen Mitgereisten bedankt. Wir sind total glücklich, dass wieder so viele mitgekommen sind und uns, obwohl es wieder nur zu Platz fünf gereicht sind, so unterstützt haben. Mit Blick auf die ganze Saison ist der fünfte Platz aber als Erfolg zu sehen. Klar steckt man sich neue Ziele, wenn es dann zur Endrunde geht, sonst bräuchten wir hier gar nicht hinzufahren. Alles in allem können wir aber zufrieden sein, auch wenn wir natürlich gerne mal eine Medaille wollen."

Sina Felske (r.) zeigte gegen Olympiateilnehmerin Romy Tarangul einen beherzten Kampf, verlor aber knapp. Foto: C. Dziwok

Sina Felske (Kämpferin): "Wir haben in den einzelnen Kämpfen super gefightet. An der Einstellung lag es heute auf keinen Fall. Es war ein unglaubliches Niveau und Backnang hatte ein sehr starkes Team dabei. Ein paar Punkte konnten wir vorher einplanen und dann gibt es immer die Gewichtsklassen, an denen einfach alles auf den Punkt passen muss. Und genau diese Schlüsselkämpfe haben wir leider verloren. So war das Duell eigentlich schon nach der Halbzeit entschieden. Von meinem ersten Kampf war ich enttäuscht. Meine Linie war richtig, aber dann habe ich mich im Boden überraschen lassen. Da war ich froh, dass ich noch ein zweites Mal ran durfte. Der zweite Kampf war viel besser, ich habe eine Wertung erzielt und das Publikum hat mich super gepusht. Ich bin natürlich enttäuscht, habe aber alles gegeben. Und da bin ich sehr froh, dass ich das sagen kann."

Lena Wilkes (Kämpferin): "Wir sind froh, dass wir nach dem schwachen Saisonstart überhaupt hier beim Finale dabei sein konnte. Ein bisschen hatten wir schon mit der Niederlage gerechnet, aber wir haben alles gegeben und haben auf der Matte eine gute Leistung abgeliefert. Zur neuen Saison wird es sicher wieder ein paar Veränderungen geben und dann gehen wir mit noch mehr Elan an die Sache heran und dann sind wir im nächsten Jahr der Medaille sicherlich ganz nah."

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